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Mittwoch, 12. November 2014

#14

Wie versprochen kommt nun auch noch ein ausführlicherer Beitrag!

Letzte Woche durfte ich bei zwei Veranstaltungen dabei sein - Montag beim "Celebrating the Work with Young Women" Event von der Organisation "Youth Action". Im Prinzip wurden Projekte aus den letzten 35 Jahren vorgestellt, die zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern beigetragen haben, was sehr interessant war. Mittwoch war ich dann beim "Festival of Social Sciences" in der University of Ulster, wo verschiedene Projekte vorgestellt wurden, die sich mit dem Thema "Youth Participation in Northern Ireland" beschäftigen. Ich war außerdem auch bei der Flüchtlingsorganisation "NICRAS", um über die jährliche Refugee Week (Flüchtlingswoche) zu sprechen, da ich gerne bei der Organisation der einzelnen Veranstaltungen helfen würde.

Es stand auch wieder ein Coach Training an, was wieder viel Spaß gemacht hat und am Freitag sind wir gleich nach dem Training in die Sunflower Bar, zum sogenannten "Three For Three" Event. Es war die erste Veranstaltung dieser Art und soll jetzt einmal im Monat fortgesetzt werden - für 3 Pfund treten 3 verschiedene lokale Musikacts auf. Die Atmosphäre war wahnsinnig toll, der Pub ist echt gemütlich und wenn man dann noch so tolle Konzerte sehen kann, ist der Abend echt perfekt!

Am Freitag organisiert Public Achievement außerdem das erste "Rock The Vote" Event. Das Prinzip dazu stammt aus den USA, dort wie hier muss man sich für die Wahl zuerst registrieren lassen. Um das zu unterstützen und die Leute zu animieren, sich registrieren zu lassen und wählen zu gehen, wird bei Rock The Vote Musik mit Politik verknüpft. Lokale Acts sollen auf der Bühne auftreten und Politiker sollen bei der Veranstaltung dabei sein, müssen jedoch keine Reden o.ä. halten. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich direkt bei der Veranstaltung fürs Wählen zu registrieren. Am Freitag findet das Ganze im Titanic Quarter im T13, in einer alten Schiffsbauhalle, statt, mal sehen, welche Politiker so auftauchen. Gestern habe ich nochmal alle nordirischen Abgeordneten des House of Commons (denn 2015 wird das House of Commons neu gewählt) angerufen, bin jedoch meistens nur zu Anrufbeantwortern oder Sekretärinnen vorgedrungen. Natürlich wird immer versprochen, sich zurückzumelden, aber das glaube ich erst so richtig, wenn es auch passiert.

Mit meiner Gruppe in West Belfast geht's auf voran, auch wenn die teilweise echt verrückt sein können - sie ändern sich ungefähr jede Woche - teilweise sind sie die besten Feundinnen und eine Woche später ist irgendetwas vorgefallen und auf einmal bilden sich neue Grüppchen, aber so ist das eben, schließlich haben sie ja auch außerhalb der Gruppe viel miteinander zu tun, da geht das Gezicke dann schon einmal los. ;-)

Am 11.11. wird in Deutschland zwar die Faschingssaison eingeleitet, hier hingegen wird den Opfern des 1. Weltkrieges bzw. gefallenen Soldaten im Allgemeinen im Rahmen des Rememberance Days gedacht. Seit Tagen laufen hier schon viele Leute mit roten Mohnblumen Ansteckern, den sogenannten "Poppys" herum, beim BBC muss das auch jeder tragen. Daraus können sich dann auch wieder Debatten entwicklen, denn die rote Poppy wird in den meisten Fällen von Protestants getragen. Catholics gedenken den gefallenen Soldaten zwar auch, denn auch ihre Urgroßväter mussten in den Krieg ziehen, jedoch haben die Familien der gefallenen Catholics keinerlei Alimente vom Staat bekommen, im Gegensatz zu den Protestants. Es gibt jedoch auch Menschen, die hier eine weiße Mohnblume tragen, die White Poppy. Diese finde ich persönlich auch besser, denn sie steht generell für Frieden und gegen Kriege und die Glorifizierung dieser.

Montag, 10. November 2014

#13 - VIDEOS

Spätestens Mittwoch (denn da habe ich diese Woche frei) nehme ich mir Zeit für einen ausführlicheren Beitrag (versprochen!), aber heute kommen nur einmal ein paar Videos, die ich euch gern zeigen wollte.

Growing up after the Troubles:
 http://wimps.tv/stories/growing-up-after-the-troubles

Sehr interessanted Video, in dem zwei Mitglieder von unseren WIMPS Crews über ihre Sicht der Post Conflict Situation in Belfast sprechen. Robert kommt aus West Belfast und hat einen Catholic-Nationalist Hintergrund, während Karl in East Belfast, einer Protestant-Loyalist Gegend, aufgewachsen ist. Falls bestimmte Wörter schlecht zu verstehen sind (ich habe mich mittlerweile an den Belfast Accent gewöhnt, also kann ich das nicht mehr so gut einschätzen), könnt ihr gern nachfragen (z.B. in den Kommentaren) und ich schreibs euch nochmal auf oder übersetze! (Auch wenn ich bei Karl echt zu tun hab, alles zu verstehen)


Irish Language:
http://wimps.tv/stories/oisin-responds-to-gregory

Das ist das bis jetzt unser meist geschautes Video - und es hat einen bestimmten Hintergrund.
Letzte Woche hat sich Gregory Campbell, Abgeordneter in Stormont und im House of Commons in London, in einer Diskussion über Minderheitensprachen auf nicht gerade taktvolle oder produktive Art und Weise geäußert. Statt dem Satz "go raibh maith agat Ceann Comhairle" (irisch für Thank you Mr Speaker) sagte er "Curry my yoghurt coca coalyer" und machte sich damit über die irische Sprache lustig. (Er hätte im Übrigen diesen Satz überhaupt nicht sagen müssen oder eben auf Englisch, in jedem Fall war dieser Kommentar irgendwie unnötig.)
Ihm wurde deswegen ein Tag Redeverbot im Parlament erteilt und es entbrannte eine große Diskussion. Für manch einen mag dies vielleicht übertrieben klingen, aber meiner Meinung nach sind es genau diese Sachen, die immer wieder Öl ins Feuer gießen. Warum muss ein Politiker das sagen, ohne jeglichen Nutzen? Warum sollte es legitim sein, auf diese Art und Weise über die irische Sprach - eine Minderheitensprache - zu sprechen, wenn es (zum Glück!) nicht legitim ist, sich über Chinesisch, Polnisch oder andere Sprachen, die hier viel vertreten sind, lustig zu machen? Warum denkt Mr Campbell, dass nur Irish Republicans diese Sprache sprechen und macht sie zu einer politischen Sprache?
Wie auch immer - Oisín's erste Sprache ist Irisch, er ist 12 Jahre alt und hat bereits seine GSCE Prüfung (Prüfung, die man hier in der 10. Klasse ablegt) in Irisch bestanden - mit dem landesweit drittbesten Ergebnis! Meiner Meinung nach ist er reifer als manche Politiker hier, die es immer wieder mit stichelnden Kommentaren Grundsatzdiskussionen auslösen.
Der Erfolg dieses Videos hat 'ne ganz schöne Aufregung ausgelöst, denn auf Twitter wurde es von Politikern, Zeitungen und Fernsehsendern gesehen und verbreitet, das hätte niemand gedacht!


Belfast - Berlin:
http://wimps.tv/stories/the-berlin-wall

Und hier gibt es nun passend zum 9. November noch einen Artikel über die Berliner Mauer, den ich geschrieben hab. Am Freitag haben wir dazu außerdem noch ein kleines Video gedreht, in dem ich auch Bezug auf die Peace Walls in Belfast nehme. Das Filmen hat schon Spaß gemacht, nur irgendwie ist es auch komisch, irgendwo rumzulaufen und dabei gefilmt zu werden und meine eigene Stimme höre ich eh nicht gerne. Aber was solls, wer möchte, kann es sich gern ansehen!



Sonntag, 26. Oktober 2014

#12 - ON ARRIVAL TRAINING

So, hier kommen nun auch die Infos über mein On Arrival Training und alles, was ich in der letzten Woche sonst noch so erlebt habe.

Vom 16.10.-19.10. ging es also mit 14 anderen EFD Freiwilligen aus Belfast nach Bushmills, an die Nordküste Nordirlands. Das war eine ziemlich internationale Angelegenheit, denn neben Deutschland waren auch Russland, Armenien, Rumänien, Italien, Spanien, Österreich, Portugal, Frankreich und sogar Argentinen vertreten. Das On Arrival Training ist ein fester Bestandteil des Europäischen Freiwilligendienstes und dient dazu, die Freiwilligen im jeweiligen Land zusammenzubringen und sie über Rechte und Pflichten, Bürokratie, Kultur, Politik und Geschichte des Landes aufzuklären. Außerdem wird darüber gesprochen, welche Probleme auftreten könnten und wie man diese lösen kann und welche Ziele wir für unser Jahr haben. Wir haben unsere Projekte und unsere Heimatstädte vorgestellt, was sehr interessant war, am letzten Tag sollte außerdem jeder einen Brief an sich selbst schreiben - wie wir uns gerade fühlen, welche Pläne und Ängste wir haben und welche Komplimente wir uns gerade selbst machen würden. Diese Briefe öffnen wir dann bei unserem Mid Term Training wieder, ich bin sehr gespannt, wie das sein wird!

Am ersten Tag sind wir alle zusammen in einen Pub gegangen und haben bei einem Pub Quiz mitgemacht - meine Gruppe hat sogar gewonnen, was ziemlich cool war! Außerdem konnten wir die lokale Küche ein bisschen näher kennenlernen - es gab Fish&Chips, wir haben Irish Stew (eine Art Eintopf mit Kartoffeln, Möhren und Rindfleisch) zusammen gekocht und es gab Apfelkuchen. Mein Chips (hier sind das ja Crisps) konsum ist außerdem ins Unermessliche gestiegen, so ist das hier eben. Wir hatten auch die Aufgabe, an einem Abend alle zusammen für die ganze Gruppe zu kochen, was ziemlich viel Spaß gemacht hat! Es gab Nudel-Gemüse Gratin und Brokkoli-Tomaten Salat (ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass dieser Salat so gut schmecken kann!) und allen hat es super geschemckt.

Eine Tea Party wurde auch organisiert, es gab Potato und Soda Bread, typische Süßigkeiten, Crisps, eine Art Marshmallowküchlein und etwas, das unserem Weihnachtsstollen sehr ähnlich war. Außerdem hat jeder ein kleines Geschenk bekommen, dass einer bestimmten Kategorie zugeordnet war (Musik, Industrie, Literatur, Politik, Sport und Landschaft) und so wurde uns ganz nebenbei zu all diesen Sachen viel Wissenswertes erzählt.
Über die Politik in Nordirland erfahre ich ja schon auf Arbeit ziemlich viel, trotzdem wusste ich nicht, dass es beispielsweise jeden Samstag eine Demonstration für den Union Jack vor der City Hall gibt (2012 wurde entschieden, dass die Flagge nur noch an bestimmten Tagen im Jahr auf der City Hall zu sehen sein soll, was viele Proteste ausgelöst hat) und jede einzelne Nacht des Jahres, überzeugte Loyalists (pro britisch) auf der Crumlin Road eine Demonstrationsparade abhalten. Nordirland hat außerdem eine große Musikszene, bekanntere Bands sind z.B. Two Door Cinema Club, Snow Patrol oder auch And So I Watch You From Afar. Wir haben uns auch ein Video eines Rappers aus Belfast angesehen: https://www.youtube.com/watch?v=MVC9iRRF05M  Es ist schon ziemlich aggressiv, aber es spiegelt die Stimmung im Konflikt ganz gut wieder, glaube ich.
Außerdem wurde der Autor von Narnia, C.S. Lewis, in Belfast geboren und Game of Thrones wird in Belfast und Nordirland gedreht, man kann sogar Touren zu den einzelnen Drehorten buchen.

Ein berühmtes Symbol auf der nordirischen Flagge ist außerdem die "Red Hand of Ulster" und die Geschichte/Sage dahinter möchte ich ganz kurz erzählen, da ich die ganz interessant fand.
Und zwar gab es einmal keinen rechtmäßigen Herrscher über das Königreich Ulster (Provinz im heutigen Nordirland und einem Teil Irlands) und so kam es zu einem Wettkampf zwischen einem Mitglied der Familie O'Neill und der Familie O'Donnell. Die Aufgabe war ein Wettrennen und wessen Hand zuerst den Boden von Ulster berührt, ist der Gewinner und Herrscher über Ulster. Der Vertreter der O'Donnell Familie hatte dabei zuerst einen großen Vorsprung und war kaum noch einzuholen, also entschied der Vertreter der O'Neill Familie, sich eine seiner Hände abzuschneiden und sie so weit zu werfen, dass sie als erste den Boden von Ulster berühren würde. Dieser Plan ging tatsächlich auf und so war er der Gewinner des Wettkampfes und die blutige Hand (Red Hand of Ulster) das neue Symbol von Ulster.

Außerdem haben wir die Bushmills Destillery besucht und eine Führung mit anschließender Whiskeyverkostung (jeder durfte sich eine Sorte aussuchen) mitgemacht und auch den Giant's Causeway durfte ich noch einmal sehen. Diesmal war es unglaublich windig, deshalb durfte man nicht auf alle Steine klettern, denn manchmal wurde man wortwörtlich schlichtweg "weggeblasen", was ziemlich gefährlich werden kann, insbesondere wenn die Steine auch noch rutschig vom Wasser sind.








Da ich wegen dem Training über das Wochenende keine "Freizeit" hatte, durfte ich sogar zwei Tage frei nehmen, dadurch hatte ich wenigstens endlich Zeit, mich bei einem Arzt registrieren zu lassen. Meine EFD Versicherung brauch ich überhaupt nicht, da jeder EU Bürger hier kostenlos behandelt wird, was ziemlich praktisch ist. Außerdem haben Patrick und ich Flammkuchen gemacht und ich konnte ein paar Dinge einkaufen. Zusammen mit Jennifer (Praktikantin auf Arbeit, sie kommt aus Spanien) war ich Mittwoch außerdem bei einem Konzert vom Belfast Festival at Queens, wofür ich Karten gewonnen hatte. Das Ganze fand in einer alten Presbyterianischen Kirche statt und alles war super gemütlich dekoriert, mit Sesseln für einen Teil der Zuschauer und Vintage Stehlampen auf der Bühne. Zwei Künstler sind aufgetreteten - ein Singer Songwriter (Gareth Davies Jones) und ein Blues Musiker ( Harry Manx), beide waren wirklich ziemlich gut! Mit Jennifer war ich Freitag auch wieder in Stormont, bei einem Seminar über die Arbeit der Ausschüsse und einer anschließenden Fürung. Es war sehr interessant, aber manchmal dann doch schwer zu verstehen, weil die Vokabeln einfach sehr spezifisch sind.

Außerdem war ich Freitag und Samstag beim Coach Training meiner Organisation. Ich arbeite zwar bereits mit Gruppen, aber trotzdem gibt es noch einiges zu lernen und es war echt hilfreich, würde ich sagen. Außerdem sind die neuen Ehrenamtlichen alle sehr nett, ich freue mich also schon auf das nächste Training in zwei Wochen.

Gestern Abend haben wir dann noch Kürbisse geschnitzt, nur auf die Kürbissuppe muss ich noch bis heut Abend warten, denn gestern hatten wir einfach keinen Hunger mehr. Dafür sind unsere Halloweenkürbisse super schön geworden, finde ich zumindest. Wie wir Halloween verbringen, wissen wir noch nicht so ganz. Derry wäre schon ziemlich gut, nur gibt es keine Unterkünfte mehr, deswegen überlegen wir, ob wir einfach nach dem Feiern wieder nach Belfast fahren. Schauen wir mal.



Dienstag, 21. Oktober 2014

#11

Je länger ich hier bin, desto beschäftigter und abgelenkter bin ich und so bleibt kaum Zeit zum bloggen - sorry dafür!
Die letzten Wochen waren wieder sehr spannend, die Arbeit mit den Gruppen macht viel Spaß und ich komme auch wieder viel rum. Im Moment gibt es eine große Kampagne für das Wahlrecht ab 16, denn beim schottischen Referendum durften auch 16- und 17-jährige mitentscheiden und in dieser Altersgruppe gab es eine Beteiligung von über 80%, was beweist, dass man in diesem Alter eben nicht grundsätzlich politisch desinteressiert sein muss, oft macht eben nur das Thema der Wahl einen erheblichen Unterschied. Zu diesem Zweck waren wir wieder in Stormont, dem nordirischen Parlament, um Abgeordnete und Minister zu ihrer Meinung zu diesem Thema zu befragen. Die endgültige Entscheidung über das Wahlalter liegt jedoch beim Parlament in London. Es war sehr interessant, auch wenn leider kein einziger Abgeordneter der DUP (Democratic Ulster Party), UUP (Ulster Unionist Party) oder DUV (Traditional Unionist Voic) kam, um uns zu erklären, warum sie gegen das Wahlrecht ab 16 sind. (diese Parteien sind gegen das WAhlrecht ab 16) Das Ergebnis könnt ihr hier sehen.
Zum Theme Vote at 16 war übrigens auch das BBC in unserem Büro und hat Jugendliche aus unseren Gruppen zu ihrer Meinung befragt, am nächsten Tag gab es dann einen Beitrag im nordirischen BBC zu sehen, den man auch hier noch einmal ansehen kann.
Passend zum World Animal Day wurde außerdem ein Artikel von mir auf der WIMPS Website veröffentlich, den ihr hier lesen könnt.

So, jetzt aber mal Schluss mit den ganzen Links! Ich war bis jetzt bereits einmal beim Irish Language Kurs und es war super interessant, aber diese Sprache ist echt kompliziert und hat für mich sehr wenig mit Englisch gemeinsam. Der Kurs findet immer freitags statt, die letzten Wochen war ich da aber leider immer beschäftigt, hoffentlich komm ich dann noch hinterher.

Mene Kollegin Bronagh hat mich nach der letzten Volunteer Fair mit ihrem Auto mal in ein paar Interface Areas gefahren und mir ein wenig darüber erzählt. Interface Areas sind die Gegenden in Belfast, in denen protestantische und katholische bzw. loyalist und nationalist areas aufeinandertreffen. Eine der berühmtesten ist wohl die Falls-Shankhill Area in West Belfast mit einer riesigen Mauer. Von diesen sogenannten "Peace Walls" habe ich zwar schon vorher gelesen, aber irgendwie ist es doch etwas anderes, wenn man dann direkt vorbei fährt. Die Zäune sind oft unglaublich hoch, um zu verhindern, dass beispielsweise Backsteine oder Molotov Cocktails auf die andere Seite geworfen werden. Viele dieser "Peace Walls" wurden auch tatsächlich erst nach dem Good Friday Agreement 1998, also mit Beginn des Friedensprozesses, gebaut, denn egal wie gruselig sie manchmal aussehen mögen, für die Menschen, die in diesen Gegenden leben, bedeuten sie Sicherheit. Viele Menschen sind dort während des Konfliktes aufgewachsen und haben die andere "community" eben als Feind kennengelernt - ihnen wurde eingetrichtert, nicht in bestimmte Gegenden zu gehen, weil sie von dort womöglich nicht oder verletzt zurückkehren würden und das wird teilweise auch heute noch von Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Viele Jugendliche bleiben einfach in ihren Stadtteilen und oftmals entweder ein Leben lang oder sie ziehen für immer weg, sobald sie auf eigenen Beinen stehen können. Deswegen ist es für sie dann auch spannend, wenn sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme, denn meistens treffen sie nur Menschen aus "ihrem" Viertel. Interface Areas sind oft auch Stadtteile mit viel Armut und niedrigem Bildungsniveau, wer es sich leisten kann, zieht in andere Gegenden. In manchen Bereichen der Shankhill Road ist es normal, wenn Kinder mit ca. 12 Jahren nicht mehr (regelmäßig) zur Schule gehen, deswegen ist es beinahe ein Wunder, dass die Jungs aus unserer Shankhill Jugendgruppe, ihre GSCEs (10. Klasse Abschluss) ablegen oder teilweise die A Levels (Abitur) beginnen. Sie wollen übrigens eine Dokumentation darüber drehen, wie es ist, an der Shankhill Road aufzuwachsen.

Das sind ein paar Fotos von der Peace Wall:

  


Zum Irish Dancing haben wir es die letzten Wochenenden nicht geschafft, dafür waren wir aber wieder auf dem St. George's Market, haben Pflaumenknödel gemacht oder eben einfach abends die Pubs erkundet. Mit Rory hab ich außerdem zusammen Gitarre gespielt, da hat es sich doch wenigstens gelohnt, sie mit herzubringen. Es ist echt schön, wenn sich mit den Leuten hier so ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Außerdem hatte ich auch meine ersten beiden Urlaubstage und gleichzeitig meine ersten Urlaubstage überhaupt! Irgendwie genießt man die ja schon mehr als Ferien, wenn man weiß, dass man eben eine begrenzte Anzahl an freien Tagen hat. Es ist auch ziemlich cool, für etwas, das einem Spaß macht, Geld zu bekommen, auch wenn ich ja kein richtiges Gehalt in dem Sinne bekomme. Die Urlaubstage habe ich natürlich gut genutzt, mein Freund war zu Besuch und gemeinsam haben wir z.B. eine dieser typischen Hop on - Hop off Touren gemacht. Das war ziemlich abenteuerlich, denn man ist mit diesem Open Air Doppeldecker Bus auch mal eben über die Bundsstraßen gefahren. Neben Stormont, haben wir auch das Titanic Quarter, Falls/Shankhill und die Innenstadt gesehen und es gab immer noch genug Sachen, die neu für mich waren. Besonders die Murals finde ich immer wieder interessant, sie sind so aussagekräftig und beeindruckend! Ich muss aber sagen, dass ich die in den katholischen Gegenden meist schöner finde - sie behandeln eher internationale Freiheitskämpfer oder Menschenrecht, während die protestantischen Murals oft Soldaten und Kriegsthemen zeigen, die Royals sieht man aber auch ab und an.












Da das Wetter super gut war, sind wir außerdem auf den Cave Hill geklettert. Von dort hat man eine super Aussicht über Belfast und Belfast Lough. Egal wie anstrengend der Aufstieg sein mag, diese Aussicht entschädigt für alles!






Am Sonntag waren wir dann wieder beim St. George's Market und am Montag gab es ein absolutes Highlight - eine Tour zum Giant's Causeway! Vorbei am Carrickfergus Castle, Carrick a Reed Rope Bridge, Dunluce Castle und der Bushmills Whiskey Destillery. Glück mit dem Wetter hatten wir auch noch und so konnten wir Nordirland von seiner schönsten Seite bewundern.












Von Donnerstag bis Sonntag hatte ich außerdem endlich mein On Arrival Training, da es jetzt aber schon echt spät ist, pack ich alle Infos darüber einfach in einen seperaten Post. So bleibt wenigstens die Spannung gewahrt. ;-)

Sonntag, 28. September 2014

#10 - CULTURE NIGHT & DISABILITY PRIDE

Wie versprochen ein paar Fotos.


 


Hier könnt ihr auch noch ein Video sehen, was von einer WIMPS Crew beim Disability Pride gedreht wurde: http://wimps.tv/stories/disability-pride-belfast

#9

Wahnsinn, wie lang der letzte Post schon wieder her ist, aber es ist einfach immer super viel los.

Im Büro sind alle wie eine kleine, herzliche Familie - da wird Kuchen zum Kosten mitgebracht, Ehrenamtliche kommen vorbei, um zu verkünden, dass sie schwanger sind und andere werden mit Geschenken und Kuchen verabschiedet. Eine Kollegin hat jetzt auch vorgeschlagen, dass wir ein großes "Office Bake Off" veranstalten - jede Woche kann eine Person aus dem Büro etwas Gebackenes mitbringen und die Anderen dürfen kosten. Ich habe mich extra für Dezember gemeldet, um dann Weihnachtsplätzchen mitzubringen, die kennt man hier nämlich nicht.

Am 19.9. war hier außerdem Culture Night, von vielen als die 'schönste Nacht des ganzen Jahres' bezeichnet. Es war der Wahnsinn, in der ganzen Innenstadt gab es Musik, Theater, Tanz und andere Veranstaltungen. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hingehen sollte und das, was ich aus Deutschland als Geheimtipps und alternative Szene kenne, gab es hier an jeder Ecke, es war echt ziemlich super. Ich habe auch ein paar Fotos gemacht, die lade ich dann noch hoch. Am Tag darauf war ich dann noch beim 1. Disability Pride in Belfast, einer Parade mit Bühnenprogramm zum Thema Behinderung, ähnlich den Gay Pride/Christopher Street Day Paraden.

Die Pubs werden auch weiter fleißig erkundet, denn es gibt einfach zu viele davon. Ziemlich cool ist z.B. auch das "Cuckoo", wo die Cocktails in Einweckgläsern serviert werden und Kuckucksuhren an den Wänden hängen.Viele Bars haben hier auch Dachterrasssen, wo man sich auch viel besser unterhalten kann, weil die Musik nicht so laut ist. Außerdem waren wir letzten Sonntag beim Irish Set Dancing, was echt anstrengend, aber super lustig war. Man tanzt dabei immer in Gruppen von 8 Leuten, also 4 Pärchen und dann gibt es verschiedene Figuren, die man in einer bestimmten Reihenfolge tanzt. Das kann ganz schön schnell und verwirrend sein, aber es macht definitiv Spaß. Wir wollen jetzt so oft wie möglich dort hin, habe da auch die erste EFD Freiwillige hier getroffen, sie kommt auch aus Deutschland, arbeitet aber in Bangor. Außerdem war ich in der Student's Union bei einer Willkommensveranstaltung für Studenten. (es kontrolliert aber keiner, ob man wirklich an der Queen's studiert) Dort gab es kostenloses Essen und wir haben ebenfalls irisch getanzt und das mit Leuten aus aller Welt, denn die Uni ist wahnsinnig international.

Auf Arbeit läuft auch alles super, ich finde mich mehr und mehr ein und langsam geht die Gruppenarbeit los und ich habe langsam einen Wochenrythmus mit verschiedenen Gruppen gefunden. Es nimmt also allmählich Form an. Außerdem habe ich endlich ein Bankkonto! Ich bin dem Mitarbeiter beinahe um den Hals gefallen, so froh war ich, denn selbst für eine UK Nummer (die ich ja langsam wirklich mal brauche) brauche ich ein Bankkonto. Ich war einfach in einer anderen Filiale der First Trust Bank und auf einmal war das gar kein Problem mehr.

Aber rosarot ist hier natürlich auch nicht alles, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde nämlich in unser Haus eingebrochen, was natürlich ziemlich beängstigent war. Eigentlich wurde ins Nachbarhaus eingebrochen, die Bewohner haben ihn aber erwischt, er ist durchs Dachfenster geflohen und wollte dann vermutlich nicht vom Dach springen, also ist er durchs Dachfenster meiner Mitbewohnerin in ihr Zimmer gekommen. Sie war jedoch wach und natürlich panisch und hat geschrien und er ist durch die Haustür abgehauen. Die Polizei war sehr schnell da, konnte aber natürlich nichts finden, am nächsten Morgen wurde noch nach Fingerabdrücken gesucht. Im Büro waren alle geschockt und haben auch gleich nach Alarmgeräten gesucht und angeboten, dass einer der Polizisten, der mit den Jugendgruppen arbeitet, bei uns vorbeischauen könnte und uns Sicherheitstipps geben könnte. Ich fühle mich mittlerweile aber wieder sicher und habe keine Probleme im Haus. Nuria ist aber ausgezogen, sie hat sich im Haus nicht mehr sicher gefühlt, ich denke aber, dass sie sich hier generell nicht so wohl gefühlt hat. Jetzt wohnen hier Conor, Mark, Patrick und ich, Marina zieht Dienstag nämlich aus. Ich habe ja das Gefühl, dass die Vermieterin denkt, ich fühle mich mit Jungs im Haus sicherer, aber ich glaube, wir werden ganz gut auskommen.

Dienstag wäre ich außerdem beinahe im BBC Radio zu hören gewesen, um meine Meinung zum Wahlrecht ab 16 abzugeben, aber dann wollten sie doch nur einen Vertreter meiner Organisation hören. Dafür sind wir morgen wieder in Stormont zu einer Veranstaltung zum Wahlrecht ab 16. Die Diskussion darüber kommt nun wieder auf, weil man beim schottischen Referendum auch ab 16 wählen durfte. Ich werde jetzt Donnerstagabend auch immer bei der WIMPS Belfast Central Crew dabei sein, wir wollen nämlich ein Interview mit dem neuen nordirischen Gesundheitsminister, Jim Wells, vorbereiten, der wegen seiner homophoben Äußerungen kritisiert wird. Ich find es ziemlich gut, dass in der Organisation so viele politisch interessierte Menschen involviert sind und ich mich überall einbringen darf.

Freitag waren wir außerdem bei Marine eingeladen, sie hat echte französische Crepes gemacht und heute habe ich Mandarine Schmand Kuchen gebacken, womit ich mich sehr beliebt gemacht hab. ;-) Wir wachsen langsam echt zusammen und an jedem Wochenende trifft man so viele neue Menschen und das völlig unkompliziert.

Mittwoch, 17. September 2014

#8

Wie war das doch gleich mit dem Bankkonto? Von wegen! Obwohl mir drei verschiedene Mitarbeiter der Bank versichert haben, dass ich für den Basic Bank Account keine National Insurance Number brauche, wurde mir heute trotzdem das Frmular zurückgeschickt, mit eben der Begründung, dass ich meine Versicherungsnummer nicht angegeben habe. Blöd nur, dass es noch 3-6 Wochen dauert, bis ich diese Nummer überhaupt bekomme, soll ich jetzt so lang auf mein Bankkonto warten? Der Marathon geht also weiter, hoffentlich findet sich bald eine Lösung.

Gestern durfte ich auch das erste Mal eine andere Stadt hier sehen - Armagh. "It's a cozy, wee town", wie man hier sagen würde, es ist eine gemütliche, kleine Stadt. Es gibt schöne Kathedralen und eine niedliche Fußgängerzone mit traditionellem Süßigkeitenladen - Michael und Bronagh haben mir gleich mal eine Tüte mit den typischen Dingen zusammengestellt, sehr lecker!
 Aber eigentlich waren wir dort ja zum arbeiten - meine Organisation hat nicht nur Jugendgruppen in Belfast, sondern auch in anderen nordirischen Städten und diese Gruppe brauchen natürlich auch Coaches. Nichts ist für die Ewigkeit und deswegen werden wieder neue Ehrenamtliche gesucht, die diese Rolle übernehmen wollen. Deswegen waren wir bei der Fresher's Fair am Southern Regional College, aber ich hatte das Gefühl, dass die meisten dort eher für die kostenlose Pizza, Subway Sandwiches und einen Tanzflashmob (der wirklich cool war) hergekommen sind. Dementsprechend wenig Leute haben wir auch erreicht, aber vielleicht ist ja trotzdem wer dabei, der am Ende als Coach mitwirken möchte.

Ab nächsten Dienstag beginnt außerdem meine Arbeit mit einer Mädchengruppe aus West Belfast, worauf ich sehr gespannt bin und ich darf außerdem auch Artikel für die WIMPS Website schreiben.

Außerdem plane ich, sonntags jetzt immer zu den Irish Dancing Lessons in einem irischen Kulturzentrum hier zu gehen und zudem überlege ich, einen Irisch Sprachkurs für Anfänger zu belegen, ich fänd das wirklich spannend!

Spannend wird aber auch das schottische Referendum morgen, denn es wird in jedem Fall seine Auswirkungen auf das United Kingdom haben. Selbst, wenn gegen die Unabhängigkeit gestimmt wird, kommt es vielleicht trotzdem zu einer größeren Autonomie von Schottland in politischen Fragen und dieses Zugeständnis könnten dann auch die Nordiren einfordern. Ich bin wirklich gespannt, in jedem Fall wird es wohl sehr knapp werden.