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Dienstag, 28. April 2015

#25 - SCOTLAND

Ich nehme mir nun auch endlich einmal Zeit, euch von unserer kleinen, feinen und wunderbar perfekten Schottlandreise zu berichten.

Am Dienstag nach Ostern ging es also zum Belfast City Airport, der wirklich nicht besonders groß ist. Dort hat es irgendwie niemanden interessiert, wie groß und schwer unser "Handgepäck" nun wirklich ist (wir wollten keinen Aufpreis bezahlen und haben deswegen alles in unsere Rucksäcke gestopft), welche Flüssigkeiten und Sprays sich in demselbigen befinden und ob wir unsere Ausweise dabei haben. Dementsprechend waren wir dann auch sehr schnell durch alle "Sicherheitskontrollen" durch (okay, es ist ja streng genommen ein nationaler Flug, liegt ja alles im UK) und konnten um 7Uhr nach Glasgow starten. Unsere Rucksäcke haben natürlich nicht in die Gepäckfächer gepasst und so versuchten wir, sie zumindest halbwegs unter dem Sitz zu verstecken.
Die Sicherheitsanweisungen wurden zwar durchgeführt, aber der Steward ist dabei fast eingeschlafen und es war ja sowieso ein kleines Flugzeug, wir waren also sehr gespannt, ob wir heil in Glasgow ankommen würden.
Es hat natürlich alles geklappt und angekommen am Flughafen haben wir uns dann erst einmal bei der Touristinformation nach Bussen und Hostels erkundigt - denn wir hatten zum großen Erstaunen der Mitarbeiterin (die übrigens perfekt Deutsch konnte!) dort noch keine Unterkunft. (ursprünglich wollten wir couchsurfen, das hat dann aber kurzfristig nicht mehr geklappt) 
Durch den Tipp von Franziskas Mitbewohner, der erst eine Woche zuvor in Glasgow war, haben wir dann auch ein super Hostel/Hotel gefunden, dass gerade einmal 11 Pfund gekostet hat und dabei echt relativ sauber war, mit nur 6 Betten im Zimmer und angrenzendem Bad, sowie Tee, Kaffe und Keksen. Ein echter Geheimtipp im Stadtzentrum, das "St. Enoch" in Glasgow. Dann gab es erst einmal Frühstück und danach wurde die Stadt, sowie Kunstgalerien und Kunstmuseen besichtigt - der Eintritt für die Museen ist nämlich frei. Uns wurde auch total oft Hilfe angeboten, die Leute in Glasgow sind da richtig offen und hilfsbereit. Mit den großen Rucksäcken und dem Stadtplan in der Hand war ja nicht zu übersehen, dass wir Touristen sind. Nachdem wir uns ein wenig im Hotel ausgeruht und etwas für den nächsten Tag eingekauft hatten, ging es dann noch ins Westend, das Studentenviertel. Dort war es durch die Osterfeiertage noch etwas ruhig, aber doch sehr schön!

Insgesamt muss ich sagen, dass ich Glasgow echt ganz schön finde, die Stadt hat eben ihren eigenen Charme. Vielleicht ist die Architektur nicht überall atemberaubend - es ist eben eine industrielle Arbeiterstadt - aber dafür gibt es gerade durch die Studenten viel Kunst und Kultur.











Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit dem Zug zum Loch Lomond - dieser liegt etwa 45min. nördlich von Glasgow und ist der größte See Schottlands. (laut Wikipedia gilt er sogar als der schönste See Schottlands)
Und ja, es ist wirklich wahnsinnig schön, wie auf einer Postkarte! Zudem hatten wir auch noch strahlend blauen Himmel und so haben wir uns dann erst einmal an den See gesetzt und gefrühstückt - definitiv einer der schönsten Orte, um das zu tun.





Danach liefen wir ein wenig weiter am See entlang und picknickten zwischendurch und bereiteten uns auf unseren Hitchhiking Trip vor.





Moment, Hitchhiking? Trampen? Ist das nicht gefährlich?
Uns wurde zugetragen, dass Trampen gut funktioniert, sobald man sich nördlich von Glasgow befindet. Warum also nicht? Schauen wir einfach mal, wie weit wir kommen.
Und ja, wir hatten großes Glück! Nach gar nicht mal so langer Zeit, fragte uns ein Pärchen aus England (obwohl sie ursprünglich aus Irland und Schottland komen), bis wohin sie uns denn mitnehmen können. Sie wollten eigentlich nur einen kleinen Ausflug machen, aber Spontanität ist ja alles! Zuerst wollten sie uns also an das obere Ende des Sees mitnehmen, das war uns auch absolut recht! Dort hielten wir dann an einer Aussichtsplattform, direkt neben einem großen Wasserkraftwerk, das je nach Bedarf Energie produziert, sobald die Schleusen geöffnet werden.








Liz und Martin (das Pärchen aus Northhampton) war ganz begeistert, von unserem EFD zu hören und hatte auch selbst ein paar schöne Geschichten zu erzählen, außerdem seien ihrer Kinder auch gerade erst aus dem Haus und sie möchten schließlich auch, dass diese immer gut und sicher überall ankommen. Außerdem seien wir ihr Grund für diesen dann doch längeren Ausflug, also wollen sie uns noch mehr von Schottland zeigen. Zwischendurch haben sie uns dann erstmal auf Tee/Kaffe/ein Pint (je nachdem, was wir wollen) eingeladen, bevor sie uns schließlich anboten, uns durch die Highland, vorbei an Glencoe und den "Three Sisters" (Berge) bis an die Westküste nach Fort William mitzunehmen.
Kaum war man in den Highland, hat man wirklich gemerkt, wie anders die Landschaft ist. Zwischen dem Loch Lomond und Fort William ist außerdem wirklich nichts. Nur Berge, Täler, Bächlein, Wasserfälle, Seen, Schafe und Rinder. Und ab und zu eine einame Hütte oder eine Aussichtsplattform und natürlich die Bahnstrecke.

Liz und Martin haben extra and vielen Aussichtsplattformen angehalten und uns fotografiert udn geschwärmt, dass sie diese Gegend noch nie bei so tollem Wetter gesehen haben.








 Diese Steintürme sollen übrigens an die vielen Wanderer erinnern, die in den Highlands umgekommen sind; diese legten nämlich traditionell immer einen Stein an die Stellen, die sie erklommen haben, sodass mit der Zeit kleine Türmchen entstanden.








Angekommen in Fort William haben wir dann erst einmal das kleine Örtchen besichtigt, welches hauptsächlich aus einer Hauptstraße und mehreren Kirchen besteht. In der Nähe liegt auch der Ben Nevis, der höchste Berg Schottlands und bei Skifahrern sehr beliebt. Liz und Martin luden uns dann spontan noch zum Abendessen ein und auch wenn es für uns Lasagne gab, probierten wir dann doch einmal den Haggis, den sie sich bestellt hatten. Und was soll ich sagen? Wenn man nicht daran denkt, was da so drin ist, schmeckt es wirklich gut! An sich ist es einfach wie gut gewürztes Gehacktes, weswegen vegetarischer Haggis übrigens genauso schmeckt, da es die selben Gewürze sind.





Nach ein paar letzten Schritten duch Fort William ging es dann auch wieder zurück zum Auto und zurück nach Balloch am Loch Lomond. Liz und Martin brachten uns direkt zum Bahnhof, wo wir auf unseren Couchsurfer warteten, und baten uns, ihnen eine SMS zu schicken, sobald wir heil angekommen sind, einfach wahnsinnig lieb!
Der Couchsurfer, bei dem wir relativ spontan übernachtet haben, lebt in einem riesigen Haus, was er mit Hilfe von mehreren internationalen Workawayers (Workaway ist eine Plattform im Internet, wo man Stellen im Ausland findet, bei denen man für Kost und Logie arbeitet) komplett renoviert. Momentan sind dort zwei Mädchen aus den USA und Tschechien. Das Haus war wirklich wahnsinnig schön und liebevoll eingerichtet und direkt am See gelegen. Es gab sogar eine Wasserfalldusche, was für ein Luxus für Volunteers!
Nach dem langen Tag waren wir natürlich auch kaputt und froh, endlich schlafen zu können.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder mit dem Zug nach Glasgow und von dort aus mit dem Bus nach Edinburgh, unserem dritten und letzten Stopp.
Und was soll ich sagen? Edinburgh hat sich schnell zu meiner bisherigen Lieblingsstadt im UK gemausert. (sorry London, ich mag dich immer noch sehr!) Die Architektur ist wunderschön, es ist nicht weit zum Strand, es gibt viele Parks und viele Studenten und - Harry Potter wurde hier erfunden!
Kann es irgendwie besser sein? 
In Edinburgh haben wir bei einem Bekannten aus Erfurt geschlafen, der in Edinburgh studiert. Als wir ankamen, hat er gerade mit anderen Studenten im Park gegrillt, da es wirklich wunderbar warm war, so haben wir also gleich viele neue Leute kennengelernt.

Gegen Abend sind wir dann noch zum Portobello Beach geradelt und danach noch zu einer Hausparty gegangen. Am nächsten Morgen hieß es dann aber wieder früh aufstehen, denn wir hatten auf der Party beschlossen, um 9 Uhr morgens auf den Arthur's Seat zu steigen und dort oben zu frühstücken.
So enthusiastisch auch alle auf der Party waren, am Ende schafften es nur Franzi, Franz, Soleil und ich, rechtzeitig aufzustehen.
Der Arthur's Seat war es aber wirklich wert, man hat von dort aus einen wunderbaren Blick über die Stadt und dabei braucht man gerade mal eine dreiviertel Stunde, um die Spitze zu erklimmen.










Danach wurde sich dann in einem kleinen indischen Cafe gestärkt und dann ging es für Franzi und mich zur 3 stündigen Stadtführung, die in vielen großen Städten kostenlos (und gegen eine Spende am Ende) angeboten wird.
Das war ebenfalls sehr interessant und natürlich habe ich mich besonders für den Harry Potter Part interessiert. Hinter dem Cafe, in dem J.K. Rowling immer saß, liegt nämlich ein Friedhof und dahinter ein Internat. Sie saß also immer am Fenster und sah diese Schüler in ihren Schuluniformen zum Schulgebäude laufen. Auf dem Friedhof lassen sich außerdem Grabsteine von einem Herr McGonagall und einem Thomas Riddell finden...mehr brauch ich ja nicht zu sagen.


 Edinburgh Castle



 Hogwarts




 I've found Voldemort!

...und hier ist Harry Potter entstanden


Da wir immer noch nicht genug hatten, entschieden wir uns, noch auf den Carlton Hill zu steigen, wo wir dann erst einmal die letzten Sonnenstrahlen auf der Wiese genosse. Die Bilder sprechen für sich, es sieht einfach wunderschön aus von dort oben!







A



Danach ging es heim, es wurde lecker gegessen und dann noch eine letzte Nacht gefeiert. Ja, wir sind unermüdlich!
Nach ein paar Stunden Schlaf hieß es dann Sachen packen, verabschieden und auf in die Stadt. Dort verbrachten wir noch etwa eine Stunde im National Museum, in dem normalerweise auch das Schaf Dolly (das erste geklonte Säugetier, es wurde in Edinburgh geklont) augestellt wird. Dieses wird im moment aber restauriert. Es gab trotzdem genug zu sehen, von Dinosaurierknochen bis hin zu verschiedenen kulturellen Gegenständen aus der ganzen Welt.



Nach diesen 5 Tagen voller Ereignisse fielen wir verständlicher Weise kaputt und müde in den Bus, der uns für gerade mal 28 Pfund zurück nach Belfast bringen sollte. Es dauerte zwar etwas, bis wir endlich an der Fähre angekommen waren, aber diese entpuppte sich dann als echt luxuriös und besaß sogar ein Kino, in dem ein Kinderfilm lief. (den haben wir uns natürlich angesehen!) Ein bisschen Schlaf haben wir dann auch noch nachgeholt bis wir dann endlich wieder zurück zu Hause in Belfast waren.




Ich muss sagen, ich war sehr überrascht! Obwohl (oder vielleicht gerade weil) wir außer unserem Hinflug nichts wirklich vorher geplant haben, lief alles wunderbar und wir hatten jede Menge Glück, auf so tolle Menschen zu treffen. Definitiv eine der schönsten Reisen bisher!

Nun verabschiede ich mich aber, ihr habt ja jede Menge zu lesen.

Bis bald!

Dienstag, 14. April 2015

#24 - RATHLIN ISLAND

Wir schon vorher beschrieben, sind wir spontan Ostersonntag bis Ostermontag auf die Rathlin Island gefahren, die vor allem bei Vogelbeobachtern beliebt ist, denn es gibt dort sogar Papageientaucher zu beobachten. Die Insel selbst liegt vor der Nordküste Nordirlands, 25km von Schottland entfernt. Mit 7x4km ist die Insel nicht gerade groß und beherbergt ca. 120 Menschen und definitiv mehr Schafe!
Die Anreise ist etwas kompliziert, zuerst ging es mit dem Zug von Belfast nach Coleraine, dann mit dem Bus nach Ballycastle entlang der wunderschönen Nordküste und dann mit dr Fähre 25min. zur Insel. Unser Hostel war gleich in der Nähe vom Hafen, genau wie der einzige Pub der Insel.
Leider mussten wir feststellen, dass die Aussichtsplattform zum Seevogelschutzgebiet (wo man die Papageientaucher sehen kann) noch nicht fertig renoviert war, also entschieden wir uns, bis zum West Lighthouse zu laufen. Das Wetter hat sich ständig geändert, von Nebel zu blauem Himmel und wieder zurück. Trotzdem war die Aussicht super schön, wir haben jeden Menge "Irish Hares" (oder vielleicht sogar Golden Hares? Das ist eine Mutation dieser Hasen, die es nur auf der Rathlin Island gibt. Sie haben blaue Augen und sind etwas größer von der Statur her) gesehen, Fasane, Schafe, Büffel und sogar Seerobben direkt am Strand! Am West Lighthouse war es unglaublich laut, weil an den für Menschen unzugänglichen Klippen hunderte Vögel nisten, das war der Wahnsinn!
Zurück zum Hafen wurden wir von einer auf der Insel ansässigen Künstlerin mit dem Auto mitgenommen, was sehr praktisch war, weil das Laufen dann doch schon sehr lange dauert.
Zurück im Hostel haben wir noch ein wenig gekocht und dann den Sonnenuntergang auf der Terrasse genossen. Danach ging es noch ein wenig in den Pub, um sich mit der Inselbevölerung zu sozialisieren, und tatsächlich: im Pub konnte man von Groß bis Klein jeden antreffen. Ein älterer Herr mit Rauschebart wollte dann auch gleich wissen, was uns denn auf die Insel führt.
Es war auf jeden Fall wunderbar, einmal aus der Stadt herauszukommen und diese pure Natur bei tollem Wetter zu genießen. Ich glaub, ich werd alt - ich geh freiwillig wandern! ;)

























Auf dem Rückweg sind wir dann doch glatt in einer protestantische Osterparade (dabei wird William der Oranier geehrt) in Coleraine reingerasselt. Anfangs war das ja noch interessant, dann wurde es aber befremdlich: ich kann mit diesem Nationalismus und Patriotismus einfach nichts anfangen (man stelle sich das Ganze in Deutschland vor: Blaskapellen ziehen durch die Stadt, deutsche Fahnen werden geschwenkt und nationalistische Lieder gesungen). Die Leute wurden auch einfach immer betrunkener, haben angefangen, ihre protestantischen Lieder zu singen (Habe mich erstmal mit einem Polizisten unterhalten und gefragt, ob die Lieder sehr abwertend seien. Er meinte, dass das darauf ankommt, wer sie hört und auf welcher Seite man steht. Ich nehme das jetzt mal als Ja.) und dann wollten die auch noch alle in den gleichen Zug. Ich habe mich ein bisschen wie nach einem Thüringen Derby in der Erfurter Innenstadt gefühlt.
Fotos habe ich natürlich trotzdem gemacht:








So, auf den Schottlandbericht müsst ihr aber noch warten, denn es ist schon wieder etwas spät geworden. Aber ihr habt ja auch erstmal was zu lesen.
Gute Nacht und bis bald!

Montag, 13. April 2015

#23 - ST. PATRCK'S DAY

Wie ihr sicher schon wisst, findet der St. Patrick's Day - der Nationalfeiertag der Iren zum Gedenken an den Bischof Patrick, der als erster christlicher Missionar in Irland gilt - alljährlich am 17. März statt. Auch wenn er auf der ganzen Welt gefeiert wird, ist er nur an vier Orten auf der Welt ein gesetzlicher Feiertag: in der Republik Irland, in Nordirland, im britischen Überseegebiet Montserrat und in der kanadischen Provinz Neufundland. So, nun aber genug Faktenwissen.

Ausgerüstet mit grünen Hüten und Kleeblattkniestrümpfen stieg ich Dienstagmorgen in den Bus nach Dublin, um dort meine Schwester und ihren Freund zu treffen und die große Parade zu sehen.
Die Atmosphäre in der Stadt war definitiv toll, egal woher die Leute kamen, alle hatten irische Flaggen um den Schultern, auf den Wangen, grüne Hüte auf dem Kopf und ordentlich Alkohol im Blut. Die Parade fand ich auch sehr beeindruckend und die Stimmung war toll. Man sollte das Spektakel also auf jeden Fall einmal miterlebt haben, jedoch würde ich zum richtigen Feiern (gemütlich im Pub sitzen, Livemusik hören, irisch tanzen) wohl doch eher nicht nach Dublin fahren, denn es ist einfach überall brechend voll.
Trotzdem war es ein schönes Erlebnis.
In Belfast gab es währenddessen schon wieder Rabatz, vor der City Hall hatten sich ein paar Loyalists mit ihren Union Jacks (Flaggen) breitgemacht, um dort 24h zu protestieren. Wofür auch immer. Hauptsache gegen die andere Seite, wie man das hier eben so macht.











Den Rest der Woche habe ich meiner Schwester dann noch Belfast gezeigt und wir haben sogar den Cave Hill bestiegen - und das sogar bei einigermaßen gutem Wetter!





#22

Ja, ich weiß - ich bin euch einen Bericht schuldig! Weil aber wieder mal so viel passiert ist in der Zwischenzeit, gibts wohl gleich mehrere Posts auf einmal.
Also, hier die letzten paar Wochen im Schnelldurchlauf (mehr oder weniger).

Wie angekündigt, ging es am Wochenende vor dem St. Patrick's Day auf ein weiteres Residential - diesmal mit einer buntgemischten Gruppe aus Dublin, Donegall und Belfast, darunter auch eine Schulklasse mit zwei Lehrerinnen. Dazu sind wir mitten ins Nirgendwo nach Cavan (Irland) gefahren, was gar nicht so leicht zu finden war. Das Residential Centre dort ist ein altes Jugeninternat, in dem es angeblich spuken soll (vor allem im Raum 4 wurde wohl schon des Öfteren nachts ein kleiner Junge gesichtet). Passend dazu haben wir auch eine Nachtwanderung zu einem Friedhof unternommen. Sinn des Residentials war es, dass die Jugendlichen in Gruppen kleine Videos zu selbstgewählten Themen produzieren, außerdem haben wir ihnen die Rock the Vote Kampagne vorgestellt, die es bald auch in Irland geben soll.
Herausgekommen sind Videos zum Thema politische Bildung in Schulen ( http://wimps.tv/stories/wimps.tv-rock-the-vote-ireland-wheres-the-p-in-cspe), Homosexualität (http://wimps.tv/stories/wimps.tv-i-am-rock-the-vote ) und Abtreibung (http://wimps.tv/stories/wimps.tv-rock-the-vote-republic-of-ireland-launch)
Es war auf jeden Fall ein lustiges Wochenende, schließlich waren wir eine riesige Gruppe und die Altersspanne war auch sehr groß.





In der Woche nach dem Residential war dann der St. Patrick's Day und ich hatte Besuch von meiner Schwester, aber dazu später mehr.

Auch danach gab es wieder allerhand Ereignisse, in Belfast fand die "Towards a Better Future" Konferenz statt, die sich mit Rassismus, Diskriminierung und sogenannten Hate Crimes (Verbrechen, die sich gegen Menschen anderer Herkunft, anderer sexueller Orientierung, mit einer Behinderung etc. richten)  beschäftigte und auch nach den Ursachen dieser Dinge fragte.
Ich war bei einer Seminarrunde zum Thema "Social and Political Factors shaping prejudicial attitudes" dabei, bei der es u.a. einen Vortrag von Prof. Dr. Mike Hardy (Professor für Internationale Beziehungen und gesellschaftliche Kohäsion, arbeitete bereits bei der britische Regierung und der europäischen Kommission) gab. Das Ganze war super interessant und anschließend gab es noch eine Diskussionsrunde in Gruppen, deren Ergebnisse ich am Ende  vorstellen sollte. Das hat mich dann doch schon ein bisschen stolz gemacht, von einem so renommierten Professor dazu ausgewählt zu werden.
Anschließend habe ich dann noch meine HAPANI Mädels mit zum Common Grounds Cafe genommen, wo ein "Small Worlds Event" stattfand. Dabei gab es drei Personen aus unterschiedlichen Ländern (Sri Lanka, Japan, Lithauen), die aus unterschielichen Gründen (Flucht, Arbeit, Ausbildung) nun in Belfast leben. 10-15 min. hatte man dann Zeit, diese Personen über ihr Herkunftsland und ihre Kultur zu befragen und natürlich haben auch sie einiges von sich aus erzählt. Dann wurden die Tische gewechselt und man hatte neue Gesprächspartner.  Das war auf jeden Fall sehr interessant und anschließend sind wir noch zum Belfast Friendship Club dageblieben. Das Konzept davon ist ganz einfach: jeden Donnerstag abend treffen sich Leute im Common Grounds Cafe, an sich richtet es sich vor allem an Menschen, die neu in Belfast sind, jedoch ist jeder wilkommen - auch Einheimische. Dann bekommt man ein Namensschild und hat zwei Stunden Zeit, sich mit vielen neuen Leuten zu unterhalten, es gibt Tee und Kaffee und Snacks und manchmal werden auch Veranstaltungen oder Initiativen wie Sprachtandems angekündigt - das alles muss immer kostenlos sein, damit niemand ausgeschlossen wird. (denn z.B. Flüchtlinge könnten sich sonst diese Aktivitäten nicht leisten)
Ich hatte dort einen wunderbaren Abend, an dem ich auf Leute aus den unterschiedlichsten Ländern - von Syrien über Pakistan bis nach Zimbabwe und Belgien - getroffen bin. Am Samstag danach bin ich dann auch direkt mit auf einen Ausflug gefahren. Es ging nach Newcastle zu einer Art Outdoorstätte, wo wir alle um ein Lagerfeuer herum saßen und bei Tee, Kaffee und Kuchen Geschichten erzählt haben. Geschichten über unser letztes Lagerfeuer und das Ankommen in einem neuen Land. Das war eine ganz besondere Antmosphäre! Dieser Friendship Club ist einfach wahnsinnig inklusiv, jeder kann hinkommen und jeder wird akzeptiert, wie er ist. Die Geschichten handelten von Lagerfeuerritualen in Zimbabwe (nach Hochzeiten, Beerdigungen oder Geburten wird 2 Tage lang ein Feuer angezündet und das gnaze Dorf sitzt drumherum), Lagerfeuern von Umweltaktivisten (eine Umweltaktivistin hat davon erzählt, wie sie einen ganzen Winter lang in Irland ihre Tipis aufgeschlagen haben, weil sie gegen den Bau einer Autobah durchs ehemalige heilige Land protestieren wollten) oder an verlassenen Stränden. Auch war es interessant, wie ähnlich und zugleich verschieden die Eindrücke jedes Einzelnen waren, als die nach Nordirland gekommen sind. Besonders der Akzent hier hat den meisten große Schwierigkeiten bereitet.
Auf jeden Fall ist das eine wahnsinnig tolle Initiative und ich werde versuchen, in Zukunft öfter bei diesen Dingen dabeisein zu können.

Die Woche darauf hatte ich dann mein zweitägiges EVS Mid Term Training. Für alle, die damit nichts anfangen können: Diese Trainings sind Teil des Europäischen Freiwilligendienstes und beim Mid Term Training reflektiert man die bisherige Zeit, spricht über die Erfahrungen, die man bisher gemacht hat und welche Pläne man noch hat. Außerdem lernt man mehr über den Youthpass (den füllt man am Ende des EFD aus, um runterzubrechen, was man gelernt hat), weitere internationale Möglichkeiten, die z.B. Erasmus+ bietet und man füllt tonnenweise Evaluationsbögen für die Nationalagentur aus. Dazu waren wir in Cultra, ein kleines Museumdorf in der Nähe von Bangor, in dem sich das Leben wie im Jahre 1912 anfühlen soll. Das ist wirklich ein schönes Gelände und wir haben sogar ein Foto im alten Stil (inkl. Kostüm) gemacht und traditionelles Soda Bread gebacken. Es war auf jeden Fall echt schön, auch wenn es einen schon etwas sentimental macht, denn das dritte und letzte EVS Training wird dann schon wieder in Deutschland stattfinden und auch wenn 4,5 Monate (soviel Zeit hab ich hier noch) für euch zu Hause vermutlich total lang klingen - so ist es nicht! Die Zeit vergeht wie im Fluge und gerade weil man hier nur für eine begrenzte Zeit ist, erlebt man alles viel intensiver und ist viel mehr unterwegs, weil man so viel wie möglich mitnehmen möchte.









Danach stand dann auch schon Ostern vor der Tür. Pünktlich habe ich zwei riesige Pakete von zu Hause bekommen: danke an dieser Stelle an meine Eltern und Großeltern, ich hab mich mega gefreut!
Karfreitag habe ich dann mit meinem Mitbewohner Patrick und Irina fein gekocht, danach haben wir Life of Brian (das Leben des Brian) geschaut und die ersten Ostersüßigkeiten verspeist.
Am Samstag waren wir Abends mit ganz vielen anderen Freiwilligen bei Nandos essen, da eine Mitfreiwillige Geburstag hatte, das war auch ein sehr schöner, gemütlicher Abend.
Am Sonntag ging es dann spontanerweise für eine Nacht zur Rathlin Island zusammen mit Irina und Arlett und am Dienstag ging die Reise nach Schottland los.
Aber auch dazu später mehr.
Ich hoffe, ich habe jetzt nichts vergessen, aber das ist in etwa die Kurzfassung. Danke für eure Geduld! :)